Bechsteinfledermaus  © Thomas Stephan
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Lebensraumschutz für Waldfledermäuse

Naturnah bewirtschaftete Wälder und Naturwälder sind die wichtigsten Lebensräume für viele unserer heimischen Fledermausarten. Mit dem bundesweiten Verbundprojekt „Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse“ stärkt die Naturstiftung David gemeinsam mit neun Verbundpartnern und zahlreichen Praxispartnern einen verantwortungsvollen, zukunftsfähigen Umgang mit Wäldern, sichert wertvolle Quartiere und verankert den Fledermausschutz dauerhaft in Forstpraxis und Planung.

Warum Waldfledermäuse unsere besondere Aufmerksamkeit brauchen

Warum brauchen Waldfledermäuse unseren Schutz?

Waldfledermäuse wie Mops- und Bechsteinfledermaus sind in Deutschland stark gefährdet. Als nationale Verantwortungsarten tragen wir eine besondere Verpflichtung für ihren Erhalt, da ein wesentlicher Teil ihrer europäischen Population hier heimisch ist. Vor allem der Verlust alter, totholzreicher Wälder setzt ihnen zu. Auch fernwandernde Arten wie Rauhautfledermaus und Kleinabendsegler sind von Lebensraumverlust und Risiken wie Kollisionen mit Windenergieanlagen betroffen. Insbesondere Mops- und Bechsteinfledermaus sind zudem sogenannte Schirmarten: Schützen wir ihre Quartiere und Jagdgebiete, profitieren viele weitere Arten – von Spechten über höhlenbrütende Vögel bis zu Totholzkäfern.

Welche Arten stehen im Mittelpunkt des Projekts?

Im Fokus stehen vier Waldfledermausarten. Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus) und die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) sind „alteingesessene“ Waldfledermäuse. Ihr Vorkommen zeigt alte, strukturreiche Wälder mit vielen Quartierbäumen und Mikrohabitaten an. Die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) und der Kleinabendsegler (Nyctalus leisleri) sind fernwandernde Arten, die im Sommer Waldlebensräume nutzen, im Jahresverlauf jedoch große Distanzen zurücklegen. Sie gelten als besonders schlaggefährdet an Windenergieanlagen. Durch ihr baumhöhlenbewohnendes Verhalten sind sie auf einen ausreichenden Bestand an Höhlenbäumen angewiesen.

Was will das Projekt konkret erreichen?

Ziel ist es, den Erhaltungszustand der vier Zielarten bundesweit zu verbessern und so auch andere Waldfledermausarten zu stärken. Zunächst werden Verbreitung und Quartierkomplexe recherchiert. Auf dieser Basis entstehen bundesweit modellhafte Schutzmaßnahmen wie Habitatbaumgruppen, Naturwaldzellen und sensibel bewirtschaftete Quartierwälder. Mithilfe von Habitateignungskarten und Klimamodellen ermitteln wir, wo Maßnahmen heute und künftig am wirkungsvollsten sind. Ein zentraler Pfeiler ist zudem der Aufbau eines Netzwerks aus Forstwirtschaft, Behörden, Verbänden und Wissenschaft. So wird der Waldfledermausschutz langfristig als dauerhafte Querschnittsaufgabe in Gesellschaft und Fläche verankert.

Wie profitieren Forstwirtschaftende und Waldbesitzende?

Waldbesitzende und forstliche Akteure stehen vor der Herausforderung, den Wald zugleich klimastabil, wirtschaftlich und naturschutzfachlich wertvoll zu entwickeln. Dabei sind Waldfledermäuse ein Indikator für besonders gesunde Wälder, die diesen Anforderungen am besten gerecht werden: Nur in strukturreichen Gebieten mit ausreichend Nahrungsangebot und Quartierbäumen können sie sich ansiedeln. Das Projekt unterstützt Forstakteure mit praxisnahen Instrumenten dabei, sich dem Zielbild eines idealen Fledermauswaldes zu nähern: In Best-Practice-Beispielen werden Maßnahmen wie die Kennzeichnung von Quartierbäumen, Habitatbaumgruppen und angepasste Nutzungszeiten erprobt. Gleichzeitig zeigt das Vorhaben Wege auf, Naturschutz und Forstwirtschaft zu vereinen – etwa durch betriebswirtschaftliche Bewertungen, Musterverträge und Hinweise zu Förderprogrammen. Fortbildungen und Beratungen vermitteln das nötige Wissen, um den Fledermausschutz eigenständig in die Bewirtschaftung und Betreuung von Wäldern zu integrieren.

Was bleibt nach Projektende bestehen?

Das Projekt soll über seinen Förderzeitraum hinaus zur fledermausfreundlichen Entwicklung unserer Wälder beitragen. Die im Projekt ausgewiesenen Quartierwälder, Habitatbaumgruppen und Naturwaldzellen sollen, wo möglich, vertraglich und planerisch verstetigt werden. Die eigens entwickelte Datenbasis „WaldBatMap“ bündelt Nachweise und Habitatinformationen und dient später als Grundlage für Monitoring und Planung. Arten-Aktionspläne schaffen Orientierung für Behörden, Forstbetriebe und Naturschutzorganisationen, wie Waldfledermäuse auch künftig gezielt berücksichtigt werden können. Mindestens ebenso wichtig ist das gewachsene Netzwerk: Geschulte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren tragen ihr Wissen in Forstverwaltung, Bildung und Ehrenamt weiter.

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Kontakt

Violetta Färber Telefon: +49 361 710 129-34 Mail schreiben

Wie läuft das Projekt ab?

Erheben und verstehen

Am Anfang steht das genaue Hinsehen: Das Projekt bündelt Daten zu den Zielarten und ergänzt sie durch Felduntersuchungen. Bat-Detektoren, Netzfänge und Telemetrie helfen dabei, Wochenstuben, Quartierbäume und Jagdgebiete zu finden – besonders in Regionen mit Wissenslücken. Alle Informationen fließen in eine gemeinsame Datenbasis ein, die als präzise Grundlage für die Planung und Umsetzung wirksamer Schutzmaßnahmen dient.

Handeln im Wald

Auf Basis gewonnener Erkenntnisse werden Best-Practice-Maßnahmen in allen Waldeigentumsformen umgesetzt – in Staats-, Kommunal- und Kirchenwäldern ebenso wie in Stiftungs- und Privatwald. Quartierbäume werden dauerhaft gesichert, Habitatbaumgruppen und Naturwaldzellen ausgewiesen sowie Jagdhabitate entwickelt. Im Dialog mit Waldbesitzenden entstehen Lösungen, die Artenschutz und forstliche Nutzung verbinden. Diese Best-Practice-Flächen zeigen konkret, wie ein zeitgemäßer multifunktionaler Wald aussehen kann.

Verankern und verbreiten

Das Projekt setzt auf Wissenstransfer, um Erfolge in die Fläche zu tragen. In Schulungen, Exkursionen und Fachtagungen werden Erfahrungen aus den Modellflächen an Forstbetriebe, Behörden und Ehrenamtliche weitergegeben. Parallel entstehen praxisnahe Arbeits- und Beratungshilfen. Ergebnisse aus Modellierungen und Habitateignungskarten werden so aufbereitet, dass sie direkt in Planungen einfließen.

Zum Weiterlesen

Im Rahmen unseres Verbundprojekts „Schutz und Förderung der Mopsfledermaus“ konnten bereits umfangreiche Erkenntnisse sowie konkrete Handlungsempfehlungen zum Schutz dieser Art gewonnen werden. Dieses Wissen wird nun im Folgeprojekt „Lebensraumschutz für Waldfledermäuse“ um weitere Zielarten ergänzt und systematisch in die Fläche übertragen.

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Das Verbundprojekt im Nationalen Artenhilfsprogramm

Die Naturstiftung David wird sich zwischen 2026 und 2031 gemeinsam mit 9 weiteren Partnern in dem länderübergreifenden Verbundprojekt „Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse“ im Nationalen Artenhilfsprogramm (nAHP) engagieren.

Projektfinanzierung

Das Verbundprojekt „Lebensraumschutz für windkraftsensible Waldfledermäuse“ wird im Nationalen Artenhilfsprogramm durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Es hat eine Laufzeit von fünf Jahren (01.03.2026 – 28.02.2031). Darüber hinaus werden die Teilprojekte von den jeweiligen Ländern und weiteren Partnern unterstützt. Das Verbundprojekt hat ein finanzielles Gesamtvolumen von rund 11 Mio, Euro.

Projektpartner

Zehn Partnerorganisationen setzen sich fünf Jahre lang länderübergreifend für den Schutz der Waldfledermäuse ein: Naturstiftung David (Lead), Deutsche Wildtier Stiftung, LBV Bayern, die NABU-Verbände BW, NI und NW, die Stiftung FLEDERMAUS, die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU), die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz sowie die Universität Greifswald. Wir setzen dabei auf die enge Zusammenarbeit mit Waldbesitzenden sowie Akteurinnen und Akteuren aus Forstwirtschaft, Wissenschaft und Fledermausschutz.

Weitere Projekte

Von 2018 bis 2024 setzte sich die Naturstiftung David in einem Verbundprojekt für den Schutz und die Förderung der Mopsfledermaus ein. Seit vielen Jahren engagieren wir uns zudem mit unterschiedlichen Projekten für die langfristige Sicherung, Entwicklung und Betreuung des Nationalen Naturerbes ein. Gemeinsam mit anderen Partnern entwickeln wir ein Monitoring für Naturerbeflächen – ein Fledermausmonitoring besteht in diesem Zusammenhang bereits. Im Rahmen der Projektförderung der Naturstiftung David werden zudem vielfältige Vorhaben zum Schutz von Fledermäusen unterstützt.

Downloads & Links

Informationen zum Nationalen Artenhilfsprogramm

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