© Thomas Stephan

Arten

Die Hohe Schrecke weist eine beeindruckende Artenvielfalt auf. Sie gilt als einer der fledermausreichsten Wälder Deutschlands. Auch für Totholzkäfer ist der alte Wald ein Eldorado. Bisher konnten hier 15 sogenannte Urwaldreliktarten nachgewiesen werden – ein Spitzenwert für Thüringen. Ebenso bieten der alte  Wald und die ihn umgebende Kulturlandschaft vielfältige Lebensräume für Vögel, Pilze und viele andere Artengruppen. Mit dem Naturschutzprojekt soll die Vielfalt der Arten und ihrer Lebensräume langfristig erhalten werden.

Nicht Wolf, Wildkatze oder Luchs sind die eigentlichen Stars der Hohen Schrecke – sondern die oft unscheinbaren Totholzkäfer. Sie sind winzig (1 bis 2 Millimeter) und oft so selten, dass sie noch nicht einmal einen deutschen Namen haben. 582 verschiedene Arten konnten bisher nachgewiesen werden, darunter 118 gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Arten und drei Neufunde für Thüringen. Insgesamt 15 sogenannte Urwald-Reliktarten konnten in der Hohen Schrecke nachgewiesen werden – ein Spitzenwert für Thüringen. Die Urwald-Reliktarten stellen sehr spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum und reagieren sehr empfindliche gegenüber Lebensraumveränderungen. Das Vorkommen der seltenen Urwald-Reliktarten zeigt, dass es in der Hohen Schrecke eine sehr lange Waldtradition und eine sehr hohe Naturnähe gibt. Die Urwaldkäfer sind deshalb auch Werbeträger für die Hohe Schrecke.

Alle in Thüringen vorkommenden Wald-Fledermausarten sind auch in der Hohen Schrecke heimisch – und leben hier in großer Zahl. Vor allem die Mopsfledermaus und die Bechsteinfledermaus als typische Wald-Fledermäuse sind sehr häufig vertreten. In der Hohen Schrecke konnte zudem erstmalig die seltene  Nymphenfledermaus für Thüringen nachgewiesen werden. Darüber hinaus fliegen viele in den umliegenden Ortschaften lebende Fledermäuse zur Nahrungssuche in die Hohe Schrecke – unter anderem das Große Mausohr mit Kolonien im Kloster Donndorf und in der Kirche in Gehofen. Ein Rekord der besonderen Art war der Fund eines Fledermausquartieres in einem unscheinbaren Spalt einer alten Buche im Wiegental. Hier konnte der Ausflug von 570 (!) erwachsenen Fledermaus-Weibchen (Große Bartfledermaus und Rauhautfledermaus) beobachtet werden. Hierbei handelt es sich um den bundesweit größten Nachweis eines Fledermaus-Quartierbaums.

Die Hohe Schrecke ist aufgrund ihrer Verzahnung zwischen dem alten Wald und der sie umgebenden Kulturlandschaft ein idealer Lebensraum für Vögel. Weit über 100 Arten konnten bisher nachgewiesen werden – darunter 32 Arten die gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind. Der Wald ist idealer Lebensraum für Schwarzspecht, Zwergschnäpper, Hohltaube und Raufußkauz. Sogar der seltene Schwarzstorch brütet in einer besonders ruhigen Ecke der Hohen Schrecke. Charakteristische Arten für die Streuobstwiesen rund um den Schrecke-Wald sind beispielsweise Neuntöter und Wendehals.

Rotwild (Rothirsche) gibt es erst seit einige Jahrzehnten in der Hohen Schrecke. Das Vorkommen ist noch im Aufbau. Das Rotwild war ursprünglich eine Charakterart der offenen und halboffenen Landschaft gewesen. Aufgrund der intensiven Landnutzung wurde das Rotwild in Mitteleuropa  vielerorts (wie auch in der Hohen Schrecke) in große Waldgebiete zurückgedrängt. Da das Rotwild in der offenen Landschaft kaum noch Nahrung findet, verbeißt es oft Jungpflanzen im Wald. Das führt zu Konflikten mit der naturnahen Waldbewirtschaftung. Viele Maßnahmen des Wildtiermanagements und der Bejagung im Naturschutzgroßprojekt orientieren sich deshalb am Rotwild. Dabei ist entscheidend, dass die Population vor allem in den weiterhin forstlich genutzt Bereichen nicht zu stark anwächst.

Schwarzwild (Wildschweine) ist als Waldart häufig in der Hohen Schrecke. Es findet hier ideale Lebensbedingungen. Durch die angrenzende teilweise sehr intensive Landwirtschaft (Mais) gibt es einen ausreichend großen Nahrungsvorrat. Umgekehrt ist die Abgelegenheit vieler Waldbereiche der Hohen Schrecke ein idealer störungsfreier Rückzugsraum. In den letzten Jahren haben die Schäden durch Wildschweine in der Landwirtschaft deutlich zugenommen. Deshalb wird das Schwarzwild auf den großen Drückjagden intensiv bejagt. Wer Glück hat, begegnet auf seiner Wanderung einer Rotte Schwarzkittel. Bei etwas Vorsicht ist die Begegnung vollkommen ungefährlich.

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Besondere Arten der Hohen Schrecke

Wildkatze

Fünf Wildkatzen konnten in der Hohen Schrecke nachgewiesen werden. Es ist von einem Bestand von mindestens zehn (reproduzierenden) Tieren auszugehen.

Luchs

Als Luchs-Revier ist die Hohe Schrecke zu klein. Es ist jedoch davon auszugehen, dass es regelmäßige Durchzügler gibt – die Spuren sind eindeutig.

Mittelspecht

Der Mittelspecht lebt vor allem an und in den Eichen und alten Buchen. Mit fast 180 Brutvorkommen ist er eine häufige Spechtart in der Hohen Schrecke.

Hirschkäfer

Besonders an warmen Maiabenden lassen sich mit Glück Hirschkäfer an den südexponierten Waldrändern an Wildkirsche, Eiche oder Wildobst beobachten.

Schwarzstorch

In einer ruhigen Ecke der Hohen Schrecke brütet der störungsempfindliche Schwarzstorch. Er nutzt die kleinen Teiche am Waldrand zur Nahrungssuche.

Schwarzspecht

Die alten Buchen sind idealer Lebensraum für den Schwarzspecht – der größten heimischen Spechtart. Seine Höhlen werden von vielen Tieren nachgenutzt.

Glanz-Knochenkäfer

Der Glanz-Knochenkäfer ist einer der 15 Urwald-Reliktarten. Er lebt in Spechthöhlen – aber nur wenn vorher Hohltaube und Waldkauz Nachmieter waren.

Kammmolch

Der in Thüringen stark gefährdete Kammmolch lebt in den wassergefüllten Sprengkratern des früheren Schießplatzes und oft auch am Rande der Dorfteiche.

Mopsfledermaus

Die Mopsfledermaus ist eine typische Wald-Fledermaus. In der Hohen Schrecke kommt sie in hoher Dichte vor. Sie lebt unter abstehenden Baumrinden.

Wendehals

In den gut gepflegten Streuobstwiesen rund um den Hohe-Schrecke-Wald brütet regelmäßig der deutschlandweit inzwischen oft sehr seltene Wendehals.

Diptam

In den sonnenexponierten lichten Trockenwälder am Südrand von Schrecke und Finne finden sich große Bestände des unter Naturschutz stehenden Diptams.

Weitere Informationen

Artenschutzmaßnahmen

Alle Maßnahmen zum Erhalt und zur Entwicklung der Lebensräume dienen letztlich dem Schutz der Arten. Im Naturschutzgroßprojekt werden zusätzlich aber auch verschiedene ganz konkrete Artenschutz-maßnahmen umgesetzt.

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Arten beobachten

Mit etwas Geduld und Glück können Sie die eine oder andere seltene Art in der Hohen Schrecke gut beobachten. Beispielsweise bei Wanderungen im alten Wald oder bei Exkursionen mit extra ausgebildeten Naturführern.

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Schokoladenkäfer

Um mit der Käfervielfalt der Hohen Schrecke zu werben, hat die Naturstiftung David mit einer örtlichen Schokoladen-Manufaktur täuschend echt aussehende Schokoladenkäfer entwickelt – als Schokolade und als Praline.

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